Alle Tennis-Wettarten erklärt: Von Siegwette bis Micro Market

Tennis-Wettarten von Siegwette bis Micro Market auf einem Hartplatz

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Von 3 Märkten zu 58: Wie sich Tennis-Wettarten verändert haben

Als ich 2017 meine erste Tennis-Wette platziert habe, konnte ich auf drei Dinge setzen: Wer gewinnt, wie viele Sätze es gibt, und ob das Match über oder unter einer bestimmten Anzahl von Games landet. Das war’s. Heute bieten Buchmacher bei einem Grand-Slam-Match bis zu 58 verschiedene Märkte an – von der klassischen Siegwette bis zur Wette auf den Gewinner eines einzelnen Punktes. Diese Entwicklung hat das Tennis-Wetten grundlegend verändert, und wer nur die Siegwette kennt, verschenkt den größten Teil seines Potenzials.

Der Grund für diese Explosion an Wettmärkten liegt in der Datenrevolution. Sportradar, der weltweit größte Sportdatenanbieter, hat zusammen mit Tennis Data Innovations – einem Joint Venture der ATP und ATP Media – ein System aufgebaut, das jeden einzelnen Ballwechsel in Echtzeit erfasst und analysiert. Seit 2025 läuft auf allen ATP-Turnieren das elektronische Linienerkennungssystem Hawk-Eye, was jeden Punkt zu einem verwertbaren Datenpunkt macht. Diese Datendichte ermöglicht Wettmärkte, die vor fünf Jahren technisch nicht umsetzbar gewesen wären.

Für dich als Wetter bedeutet das: Mehr Märkte heißt mehr Möglichkeiten, Value zu finden. Die Siegwette ist der effizienteste Markt – hier fließt das meiste Geld, hier sind die Quoten am engsten kalkuliert. Je weiter du dich in Spezial- und Nebenmärkte bewegst, desto größer werden die Ineffizienzen und desto höher dein potenzieller Vorteil. Aber dafür musst du verstehen, wie jede Wettart funktioniert, welche Risiken sie birgt und in welchen Situationen sie am profitabelsten ist.

Dieser Artikel erklärt jede relevante Tennis-Wettart mit konkreten Quotenbeispielen und Einsatzszenarien. Von der Basis bis zu den neuesten Micro Markets – nach der Lektüre weißt du, welche Märkte zu deinem Wettansatz passen und welche du besser meidest.

Die Siegwette (Match Winner)

Wimbledon, Achtelfinale. Ein Top-5-Spieler gegen einen Qualifikanten. Die Siegwette zeigt 1.18 auf den Favoriten, 5.50 auf den Außenseiter. Ich habe auf dieses Match nicht gesetzt – und das war die richtige Entscheidung. Der Favorit gewann in vier Sätzen, aber bei einer Quote von 1.18 braucht man eine Trefferquote von über 85 %, um langfristig profitabel zu sein. Das ist mit einer einzelnen Wette nicht zu rechtfertigen.

Die Siegwette – oder Match Winner – ist die Grundform jeder Tennis-Wette. Du setzt darauf, welcher Spieler das Match gewinnt. Kein Unentschieden, keine Halbzeiten, keine komplizierten Regeln. Der Gewinner nimmt alles. Diese Einfachheit macht die Siegwette zum beliebtesten Markt, aber gleichzeitig zum am härtesten umkämpften. Weil hier das meiste Volumen fließt, sind die Quoten besonders eng kalkuliert.

Die Quote einer Siegwette lässt sich direkt in eine implizite Wahrscheinlichkeit umrechnen. Bei einer Quote von 1.50 impliziert der Buchmacher eine Gewinnwahrscheinlichkeit von 66.7 % für diesen Spieler. Bei 2.50 sind es 40 %. Die Differenz zwischen der Summe beider impliziten Wahrscheinlichkeiten und 100 % ist die Marge des Buchmachers – der Preis, den du für die Wette zahlst.

Strategisch ist die Siegwette am wertvollsten in drei Szenarien. Erstens bei klarer Fehlbewertung: Wenn du aufgrund deiner Analyse eine Wahrscheinlichkeit von 75 % siehst, die Quote aber 1.50 impliziert – also nur 67 % – hast du einen positiven Erwartungswert von rund 12 %. Zweitens bei Matches mit hohem Informationsvorsprung, etwa wenn du weißt, dass ein Spieler am Vortag ein kräftezehrendes Fünf-Satz-Match absolviert hat, der Markt diese Information aber noch nicht vollständig eingepreist hat. Drittens als Basis für eine gezielte Favoritenstrategie, bei der du nur auf Matches setzt, die alle deine Filterkriterien erfüllen.

Die Siegwette hat einen entscheidenden Nachteil: Bei niedrigen Quoten ist das Risiko-Rendite-Verhältnis ungünstig. Wenn du bei einer Quote von 1.25 zehn Wetten gewinnst und eine verlierst, stehst du bei +1.50 Units – ein Gewinn, der schnell von zwei aufeinanderfolgenden Verlusten aufgefressen wird. Deshalb nutze ich die Siegwette hauptsächlich im Quotenbereich von 1.40 bis 2.20, wo das Verhältnis zwischen Trefferquote und Rendite am ausgewogensten ist.

Handicap-Wetten: Satz- und Game-Handicap

Stell dir ein Match vor, bei dem die Siegwette 1.12 auf den Favoriten zeigt. Praktisch unspielbar – du müsstest neun von zehn Wetten gewinnen, um überhaupt im Plus zu landen. Genau hier kommen Handicap-Wetten ins Spiel. Statt auf den reinen Sieg setzt du darauf, dass ein Spieler mit einem fiktiven Rückstand gewinnt – oder dass der Außenseiter trotz einer fiktiven Führung nicht verliert. Das verschiebt die Quoten in einen spielbaren Bereich.

Im Tennis gibt es zwei Handicap-Varianten: das Satz-Handicap und das Game-Handicap. Beim Satz-Handicap -1.5 setzt du darauf, dass der Favorit das Match mit mindestens zwei Sätzen Vorsprung gewinnt – also 2:0 in einem Best-of-3 oder 3:0 bzw. 3:1 in einem Best-of-5. Die Quote für Satz-Handicap -1.5 liegt typischerweise zwischen 1.80 und 2.50, je nach Favoritenstellung.

Ein konkretes Beispiel: ATP Masters 1000, zweite Runde. Der Nr.-3-Gesetzte spielt gegen einen Spieler auf Platz 85. Die Siegwette steht bei 1.14 – uninteressant. Das Satz-Handicap -1.5 steht bei 1.95. Die Frage lautet jetzt nicht mehr „Gewinnt der Favorit?“, sondern „Gewinnt er in zwei Sätzen?“ Auf Hartplatz, in einer frühen Runde, gegen einen deutlich schwächeren Gegner – die historische Wahrscheinlichkeit dafür liegt bei einem Top-5-Spieler bei etwa 65 %. Bei einer Quote von 1.95 brauchst du nur 51.3 % Trefferquote. Das ist Value.

Das Game-Handicap funktioniert feiner. Hier addierst oder subtrahierst du eine bestimmte Anzahl an Games zum Endergebnis eines Spielers. Game-Handicap -4.5 bedeutet: Der Favorit muss das Match mit mindestens fünf Games Vorsprung gewinnen – zum Beispiel 6:3, 6:4 ergibt einen Gesamtvorsprung von 3 Games, das reicht nicht. 6:2, 6:3 ergibt 7 Games Vorsprung – das reicht. Diese Wettart erfordert tiefere Kenntnis des Spielertyps. Dominante Aufschlagspieler erzeugen tendenziell engere Sätze mit weniger Breaks, was Game-Handicaps riskanter macht. Spieler mit starkem Return-Spiel dagegen produzieren häufiger klare Satzergebnisse.

Mein Ansatz bei Handicap-Wetten: Ich nutze sie fast ausschließlich bei deutlichen Qualitätsunterschieden, bei denen die Siegwette keinen Value bietet. Entscheidend ist die Frage nach dem Spielverlauf, nicht nur nach dem Ergebnis. Ist der Favorit ein Spieler, der Matches schnell beendet, oder einer, der auch gegen schwächere Gegner enge Sätze zulässt? Die Antwort auf diese Frage entscheidet, ob das Handicap sinnvoll ist – und welche Linie du wählst.

Over/Under-Wetten: Sätze, Games und Punkte

French Open 2025, Drittrunde. Zwei Grundlinienspieler, beide mit langen Ballwechseln und wenigen Assen. Der Buchmacher setzt die Linie bei 38.5 Games. Ich sehe mir die letzten fünf Matches beider Spieler auf Sand an – Durchschnitt: 42 Games. Over 38.5 bei einer Quote von 1.85. Das Match endet 7:5, 4:6, 7:6, 6:4 – insgesamt 45 Games. Die Spielertypen hatten die Antwort geliefert, bevor der erste Ball geschlagen wurde.

Over/Under-Wetten lösen dich von der Frage „Wer gewinnt?“ und richten den Blick auf „Wie verläuft das Match?“ Du setzt darauf, ob eine bestimmte Kennzahl – Gesamtzahl der Games, Anzahl der Sätze, manchmal auch Gesamtpunkte – über oder unter einem vom Buchmacher gesetzten Wert liegt.

Die gebräuchlichste Linie ist die Games-Total-Linie. Bei Herren-Best-of-3-Matches liegt sie typischerweise zwischen 20.5 und 24.5 Games, bei Grand-Slam-Best-of-5-Matches zwischen 35.5 und 42.5 Games. Satz-Totals sind einfacher: Over 2.5 Sätze bedeutet, dass das Match über drei Sätze gehen muss – also ein 2:1-Ergebnis bei Best-of-3, oder mindestens vier Sätze bei Best-of-5.

Die Faktoren, die Over/Under-Wetten beeinflussen, unterscheiden sich fundamental von denen der Siegwette. Hier zählt nicht die relative Stärke zweier Spieler, sondern ihr Spielstil und die Belagsspezifik. Zwei Variablen dominieren die Analyse:

Aufschlagdominanz beider Spieler. Wenn zwei starke Aufschlagspieler aufeinandertreffen – typisch auf Rasen oder schnellem Hartplatz – gibt es wenige Breaks, viele Tiebreaks und tendenziell mehr Games. Bei zwei Return-Spezialisten auf Sand passiert das Gegenteil: häufige Breaks, klare Sätze, weniger Games insgesamt. Die Kombination von Spielertypen erzeugt vorhersagbare Muster.

Belag und Turnierbedingungen. Sand verlangsamt den Ball und verlängert Ballwechsel, erzeugt aber auch häufiger Breaks – was Sätze verkürzen kann. Rasen beschleunigt das Spiel und begünstigt Aufschlagspieler, was zu Tiebreaks führt. Indoorturniere auf schnellem Hartplatz produzieren die höchsten Anteile an Tiebreaks auf der Tour. Wer diese Zusammenhänge versteht, hat bei Over/Under-Wetten einen systematischen Vorteil.

In der Praxis nutze ich Over/Under-Wetten vor allem dann, wenn die Siegwette kein klares Ergebnis liefert – bei Matches, die ich als eng einschätze und bei denen ich keine verlässliche Meinung zum Gewinner habe. Statt zu raten, wer gewinnt, analysiere ich den erwarteten Spielverlauf und setze entsprechend. Das macht Over/Under zur idealen Ergänzung für jeden, der sein Repertoire über die Siegwette hinaus erweitern will.

Satzwetten und Correct Score

Ein Kollege, mit dem ich regelmäßig über Tennis-Wetten diskutiere, hat sich auf Satzwetten spezialisiert. Sein Argument: „Bei der Siegwette konkurriere ich mit Millionen. Bei Satzwetten denken die meisten nicht weiter als 2:0 oder 2:1.“ Er hat recht – der Satzwetten-Markt ist spürbar weniger effizient als der Siegwetten-Markt, und genau das macht ihn interessant.

Satzwetten gibt es in zwei Varianten. Die erste ist die Wette auf die Satzanzahl: Wird das Match in zwei oder drei Sätzen entschieden? Bei Best-of-5-Formaten erweitert sich das Spektrum auf drei, vier oder fünf Sätze. Die zweite Variante ist die Correct-Score-Wette – du tippst das exakte Satzergebnis. 2:0, 2:1, 1:2, 0:2 bei Best-of-3. Bei Grand Slams kommen 3:0, 3:1, 3:2 und die jeweiligen Umkehrungen hinzu.

Die Quoten bei Correct-Score-Wetten sind deutlich höher als bei der Siegwette, weil du ein spezifischeres Ergebnis vorhersagen musst. Ein Beispiel: Der Favorit hat eine Siegquote von 1.45. Die Correct-Score-Quote für einen 2:0-Sieg desselben Favoriten liegt bei 2.10, für ein 2:1 bei 3.40. Wer glaubt, dass der Favorit gewinnt, muss sich bei der Correct-Score-Wette zusätzlich fragen: Wie deutlich gewinnt er?

Für diese Einschätzung sind drei Indikatoren relevant. Erstens die Breakquote des Favoriten gegen Spieler ähnlicher Stärke – ein Spieler mit hoher Breakquote beendet Sätze tendenziell ohne Tiebreak und gewinnt häufiger in glatten Sätzen. Zweitens die Nervenstärke des Außenseiters: Ein erfahrener Tour-Spieler, der sich in seiner besten Phase befindet, gewinnt eher einen Satz als ein Qualifikant, der zum ersten Mal auf dieser Ebene spielt. Drittens das Format – bei Best-of-5 ist die Varianz höher. Selbst dominierende Favoriten verlieren in langen Matches häufiger einen Satz als in kurzen.

Mein persönlicher Einsatzbereich für Satzwetten: Frühe Runden bei Grand Slams, wo die Qualitätsunterschiede am größten sind und das 3:0 des Favoriten statistisch am wahrscheinlichsten. Hier sind die Quoten für ein 3:0 oder 3:1 oft besser als die reine Siegwette, weil der Markt die Möglichkeit eines verlorenen Satzes überbewertet. In späteren Runden, wenn zwei gleichstarke Spieler aufeinandertreffen, lasse ich die Finger von Correct-Score-Wetten – die Varianz ist zu hoch, und die Quoten reflektieren das korrekt.

Spezialwetten: Asse, Breaks, Tiebreaks und mehr

Während die meisten Wetter den Blick auf Sieg oder Niederlage richten, liegt in den Randbereichen des Spiels oft das beste Value. Wird es einen Tiebreak geben? Schlägt ein bestimmter Spieler mehr als 10 Asse? Gibt es im ersten Satz ein Break? Diese Spezialwetten – auch Prop Bets genannt – sind der Teil des Marktes, in dem Expertenwissen den größten Unterschied macht.

Ass-Wetten gehören zu den am leichtesten analysierbaren Spezialmärkten. Die Ass-Statistik eines Spielers ist extrem belagsspezifisch und relativ stabil über eine Saison. Ein Spieler, der auf Rasen durchschnittlich 15 Asse pro Match schlägt, wird auf Sand vielleicht nur 6 schaffen. Die Buchmacher setzen die Linie basierend auf Durchschnittswerten, berücksichtigen aber selten die spezifische Gegner-Kombination. Ein Aufschlagspieler gegen einen schwachen Returnspieler schlägt mehr Asse als im Saisondurchschnitt – hier liegt Value auf Over.

Break-Wetten erfordern eine andere Denkweise. Die Frage „Wird es ein Break im Match geben?“ ist bei fast allen Matches mit Ja zu beantworten – die Quoten auf „Mindestens ein Break“ liegen deshalb bei 1.05 bis 1.15 und sind unspielbar. Interessanter sind Wetten auf die Anzahl der Breaks oder auf Breaks in bestimmten Sätzen. Der erste Satz ist statistisch der Satz mit den wenigsten Breaks – beide Spieler sind noch frisch, die Nervosität noch nicht da. Ab dem zweiten Satz steigt die Breakquote, und im entscheidenden dritten Satz erreicht sie ihren Höhepunkt.

Tiebreak-Wetten sind mein persönlicher Favorit unter den Spezialwetten. Die Wahrscheinlichkeit eines Tiebreaks variiert dramatisch je nach Belag, Spielertyp und Turnierkategorie. Auf Rasen in Wimbledon liegt die Tiebreak-Quote pro Satz historisch über 25 %. Auf Sand in Roland Garros unter 15 %. Wenn zwei Aufschlag-dominante Spieler auf Rasen aufeinandertreffen, kann die tatsächliche Tiebreak-Wahrscheinlichkeit bei 35 % pro Satz liegen – und die Quote reflektiert das oft nicht exakt. Micro Markets, die seit Oktober 2024 auf ATP-Ebene verfügbar sind, haben die Granularität dieser Wetten noch weiter erhöht. Du kannst heute auf den Gewinner eines einzelnen Break Points wetten, auf die Anzahl der Doppelfehler in einem Satz oder auf den Spielstand nach vier Games.

Die Stärke von Spezialwetten liegt darin, dass sie spezifisches Wissen belohnen. Wer die Aufschlagstatistiken zweier Spieler auf dem aktuellen Belag kennt, hat bei Ass- und Tiebreak-Wetten einen Vorteil, den der durchschnittliche Wetter nicht hat. Der Nachteil: Spezialwetten haben in der Regel eine höhere Marge als Siegwetten, und die Stichproben für historische Analysen sind kleiner. Deshalb setze ich bei Spezialwetten konservativer – 0.5 bis 1 Unit statt der üblichen 1 bis 2 Units bei Siegwetten.

Micro Markets: Wetten auf jeden einzelnen Punkt

Was wäre, wenn du nicht auf das Ergebnis eines ganzen Matches wetten müsstest, sondern auf den Ausgang des nächsten Punktes? Genau das ermöglichen Micro Markets – die jüngste und radikalste Innovation im Tennis-Wetten. Seit Oktober 2024 bietet Sportradar diese Märkte für ATP-Matches an, und sie verändern die Art, wie erfahrene Wetter über Tennis nachdenken.

Micro Markets – manchmal auch Point-by-Point-Betting genannt – umfassen Wetten auf den Gewinner einer einzelnen Aufschlagserie, auf den nächsten Punkt, auf die Art des Punktgewinns oder auf spezifische Spielsituationen wie Break Points oder Tiebreak-Punkte. Der technologische Hintergrund ist die Echtzeit-Datenverarbeitung durch Systeme wie 4Sight, die mit Computer Vision und KI-Modellen arbeiten und Wahrscheinlichkeiten auf Punktebene berechnen. Moritz Gloeckler von Sportradar hat den Ansatz der Datenstrategie so zusammengefasst: TDI hat einen konstruktiven und innovativen kommerziellen Weg gefunden, um einen weiteren Teil des Marktes mit offiziellen Daten zu bedienen.

Für Wetter eröffnen Micro Markets drei grundlegend neue Möglichkeiten. Die erste: Situationsbasiertes Wetten. Statt vor dem Match eine Prognose abzugeben, kannst du im Spielverlauf auf spezifische Situationen reagieren. Ein Spieler hat in den letzten drei Aufschlagspielen seines Gegners vier Breakchancen herausgespielt – setzt du darauf, dass im nächsten Return-Game ein Break fällt? Die Daten aus dem laufenden Match fließen direkt in deine Entscheidung.

Die zweite Möglichkeit: Risikoreduktion durch Granularität. Statt auf ein ganzes Match zu setzen, das drei Stunden dauern kann und in dem sich das Momentum mehrfach dreht, setzt du auf einen definierten Moment. Das begrenzt die Variablen, die das Ergebnis beeinflussen. Der Zeitraum, in dem etwas Unvorhergesehenes passieren kann – eine Verletzung, ein Regenstopp, ein mentaler Einbruch – schrumpft auf wenige Minuten.

Die dritte: Spezialisierung. Micro Markets erlauben es, sich auf ein extrem schmales Segment zu fokussieren. Wer die Aufschlagmuster eines Spielers studiert hat – wohin er unter Druck serviert, wie sich seine erste-Aufschlag-Quote im Verlauf eines Matches entwickelt – kann dieses Wissen in Point-by-Point-Wetten direkt monetarisieren. Dieses Maß an Spezialisierung war vor der Einführung von Micro Markets schlicht nicht möglich.

Die Risiken sind allerdings nicht zu unterschätzen. Micro Markets laden zu impulsivem Verhalten ein. Die Geschwindigkeit – ein Punkt alle 30 bis 45 Sekunden – lässt wenig Zeit für rationale Analyse. Die Marge des Buchmachers ist bei Micro Markets höher als bei klassischen Märkten, weil die Quotensetzung komplexer ist und der Buchmacher dieses Risiko einpreist. Wer Micro Markets nutzen will, braucht noch mehr Disziplin als bei Standard-Wetten – und eine klare Regel, wie viele Punkte pro Match man maximal bespielt.

Verfügbare Wettarten nach Turnierkategorie

Nicht jedes Tennisturnier bietet die gleiche Markttiefe. Wer schon einmal versucht hat, bei einem ITF-Future-Turnier eine Tiebreak-Wette zu platzieren, kennt das Problem: Der Markt existiert schlicht nicht. Die Anzahl der verfügbaren Wettarten hängt direkt von der Turnierkategorie ab – und dieses Wissen beeinflusst, welche Strategien du bei welchen Turnieren anwenden kannst.

Grand-Slam-Turniere – Australian Open, Roland Garros, Wimbledon und US Open – bieten die maximale Markttiefe. Bis zu 58 verschiedene Märkte pro Match, inklusive aller Spezialwetten, Micro Markets und exotischer Prop Bets. Die Quoten sind hier am engsten, aber die schiere Anzahl an Märkten bietet trotzdem Gelegenheiten, besonders in den Nebenmärkten.

ATP Masters 1000 und ATP 500 bieten eine solide Auswahl: Siegwette, Handicap, Over/Under, Satzwetten, die wichtigsten Spezialwetten und bei vielen Buchmachern auch Micro Markets. Die Markttiefe liegt typischerweise bei 25 bis 40 Märkten pro Match. Diese Turnierkategorie ist mein persönlicher Sweet Spot – die Quoten sind etwas weniger effizient als bei Grand Slams, und die Markttiefe reicht für alle gängigen Strategien.

ATP 250 und WTA-Turniere bieten weniger Auswahl: Siegwette, Handicap, Games-Total, Satzwette. Spezialwetten und Micro Markets sind seltener verfügbar. Dafür sind die Quoten auf den verfügbaren Märkten oft weniger effizient, weil weniger Volumen fließt und die Quotensetzer weniger Daten zur Verfügung haben.

Challenger- und ITF-Turniere bieten in der Regel nur die Basiswetten: Siegwette und manchmal Handicap und Over/Under. Die Quoten können stark schwanken, die Informationslage ist dünn, und das Risiko von unvorhergesehenen Ergebnissen ist höher. Wer hier wettet, braucht entweder sehr spezifisches Wissen über die Spieler oder sollte die Finger davon lassen.

Mein Ansatz: Ich passe meine Wettart an die Turnierkategorie an. Bei Grand Slams nutze ich die volle Bandbreite – Siegwette, Handicap, Satzwetten, ausgewählte Spezialwetten. Bei ATP 500 und 250 konzentriere ich mich auf Siegwette und Over/Under, wo ich den größten Informationsvorsprung habe. Challenger-Turniere spiele ich selten und wenn, dann nur die Siegwette auf Spieler, deren Entwicklung ich seit Monaten verfolge.

FAQ: Tennis-Wettarten

Welche Wettart bietet beim Tennis das beste Preis-Leistungs-Verhältnis?

Das hängt von deinem Wissensstand ab. Für die meisten Wetter bietet die Siegwette im Quotenbereich von 1.40 bis 2.20 das beste Verhältnis von Analysierbarkeit und Rendite. Wer tiefer in Spielerstatistiken einsteigt, findet bei Over/Under-Wetten und Spezialwetten oft besseren Value, weil diese Märkte weniger effizient bepreist sind als die stark frequentierte Siegwette.

Was bedeutet Handicap -1.5 Sätze beim Tennis?

Handicap -1.5 Sätze bedeutet, dass der Spieler das Match mit mindestens zwei Sätzen Vorsprung gewinnen muss. Bei Best-of-3 muss das Ergebnis 2:0 lauten. Bei Best-of-5 sind 3:0 oder 3:1 nötig. Ein 3:2-Sieg reicht bei -1.5 Sätzen nicht aus, weil der Netto-Satzvorsprung nur 1 beträgt.

Sind Spezialwetten profitabler als Siegwetten?

Spezialwetten haben höhere Margen, sind also teurer. Aber sie belohnen spezifisches Wissen stärker. Wer die Aufschlag- und Returnstatistiken zweier Spieler auf dem aktuellen Belag kennt, kann bei Ass-, Break- oder Tiebreak-Wetten einen Informationsvorsprung haben, den die Masse der Siegwetten-Spieler nicht besitzt. Profitabilität hängt also davon ab, ob du tatsächlich einen analytischen Vorteil mitbringst.

Welche Micro Markets gibt es beim Tennis?

Seit Oktober 2024 bieten Micro Markets auf ATP-Ebene Wetten auf den Gewinner einzelner Punkte, den Ausgang von Aufschlagspielen, Break-Point-Situationen, die Art des Punktgewinns und viele weitere Situationen auf Punkt-für-Punkt-Basis. Die Verfügbarkeit hängt vom Buchmacher und der Turnierkategorie ab – bei Grand Slams und Masters-1000-Events ist die Auswahl am größten.

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